Exkursion nach Jena  in die Friedrich-Schiller-Universität

Am Donnerstag, den 17.11.2005 waren wir in der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. In der oberen Etage der Universität Jena befand sich die Bibliothek, wo sich das größte Herbarium von Deutschland befindet. Die Bibliothek befasst sich ausschließlich mit Herbarien aus aller Welt.
Dr. Hans-Joachim Zündorf  hat uns zu erst etwas von Carl Haussknecht erzählt. Dieser wurde am 30. November 1838 in Bennungen westlich von Sangerhausen geboren. Er war der Sohn einer sehr reichen Familie. Somit ist er gut behütet aufgewachsen. Er hatte ausschließlich Privatlehrer. Carl Haussknecht interessierte sich schon früh für Steine, Kräuter und andere Pflanzen und er sammelte auch diese, aber in dieser Zeit musste jeder ein Beruf  lernen, auch Carl Haussknecht. Um weiter mit Pflanzen arbeiten zu können, hatte er beschlossen, Apotheker zu lernen. Nach seiner Lehre zog er 3-4 Jahre durch das Land, um seine Kenntnisse zu erweitern. Während dieser Zeit machte er seine ersten bedeutenderen botanischen Funde. Während seiner Apotheker-Lehrzeit in Artern und Greußen lernte er den bekannten Morphologen und Floristen Thilo Irmisch in Sondershausen kennen.1861 ging Haussknecht als Apothekergehilfe dann in die Schweiz, um die Flora der Alpen kennen zu lernen. Auch hier gelang ihm gleich zu Beginn eine bedeutende botanische Entdeckung, die ein Wendepunkt im Leben Haussknechts werden sollte. Sie brachte ihm die Bekanntschaft mit dem bekannten Orientbotaniker Edmond Boissier ein. In dessen Auftrag bereiste Haussknecht 1865 bis 1869 weite Teile des Vorderen Orients und legte damit schon den Grundstock für ein botanisches Museum.
Heinrich Carl Haussknecht 1838-1904
Apotheker und Botaniker
Als Carl Haussknecht auf  Reisen war sind seine Eltern von Bennungen nach Weimar umgezogen. Als Carl Haussknecht dann von seinen Reisen wieder gekommen ist, hat er sich dann auch in Weimar niedergelassen. Und hat auch dort seine ganzen gesammelten Pflanzen archiviert. Als Carl Haussknecht im Jahre 1903 starb, hatte er ein beträchtliches Vermögen gehabt.
Seine Frau ernannte einen Konservator, der sich um die Pflanzen kümmern sollte. Sie bezahlte den Konservator mit den Zinsen des Vermögens ihres Mannes. Der Konservator hieß Nicolas Bornmüller. Bornmüller hatte die Aufgabe über die ganzen Pflanzen zu wachen und sie in gutem Zustand zu erhalten. Als dann der 1. Weltkrieg war, hat die Familie Haussknecht ihr ganzes Geld verloren und als der Krieg vorbei war konnten sie dann den Konservator nicht mehr bezahlen. Da hat der Staat den ersten staatlichen Konservator eingestellt und bezahlt. 

Joseph Friedrich Nicolas Bornmüller
1862-1948
erster Konservator des Herbarium Haussknecht

Dann hat uns Dr. Zündorf  einige der ältesten Herbarien gezeigt, die in Jena archiviert werden. Unter anderem auch ein altes Apothekerherbarium von 1661 mit gepressten Pflanzen. Die Pflanzen waren, wie damals üblich, mit Knochenleim aufgeklebt. Dann hat er uns eines der ersten gedruckten Herbarien in lateinischer Sprache gezeigt, wo die Pflanzen gedruckt wurden (Holzschnitte nach Skizzen der Botaniker). Danach hat er uns eines der ersten gedruckten Herbarien in deutscher Sprache gezeigt. Anschließend hat er uns ein Herbarium gezeigt, in dem die Pflanzen durch Kupferstiche ( Kupferplatten wo man die Pflanzen einritzt) abgebildet waren. 
       

Altes Apotheker-Herbarium von 1661

       
Gedrucktes Herbarium mit Holzschnitten

Kupferstiche, nachträglich koloriert

       
Als vorletztes hat uns Dr. Zündorf ein Herbarium gezeigt, das aus der Zeit stammte, in der Goethe gelebt hat. Goethe selbst hatte laut Dr. Zündorf auch schon mit diesem Herbarium gearbeitet! In diesem Herbarium wurden die Pflanzen nicht geklebt sondern mit einem Faden ( zur einer Schleife gebunden) befestigt, um die Pflanzen jederzeit wieder zu entfernen, oder von der Rückseite zu betrachten. Und als letztes hat er uns noch ein Herbarium gezeigt, das von Carl von Linné ( war einer der bekanntesten Botaniker der Zeit; er hat zu seiner Zeit sehr viele Pflanzen bestimmt und ihnen ihren botanischen Namen gegeben) mit einem botanischen Namen signiert war. 
       

Damit hat schon Goethe gearbeitet... 

 
... und hier hat Carl von Linné höchstpersöhnlich den botanischen Namen unter das Bild gesetzt - wie aufregend!
       
Dr. Zündorf zeigte uns anschließend noch, wie man Pflanzen richtig presst und welche Tricks es dabei gibt. Das können wir gut für unsere Ausbildung brauchen.
Dann sind wir ein Zimmer weiter gegangen. Dort waren 2 Mitarbeiterinnen gerade damit beschäftigt, die Pflanzen aufzukleben. Die Frauen haben die Pflanzen mit selbstklebendem Papier befestigt. Sie klebten alle Exponate (diese kamen aus Kuba und waren 20 Jahre alt) auf  und dickere Stängel wurden auch schon mal festgenäht und dann auf der Rückseite verklebt. Wenn man das nicht machen würde, würde man die Pflanzen nach einer Weile sehr beschädigen. Die Frauen brauchen bei ihrer Arbeit sehr viel Fingerspitzengefühl weil man sonst die Pflanzen beschädigen könnte. 
       
Herr Dr. Zündorf verrät uns seine besten Tricks für optimale Ergebnisse beim Pflanzenpressen.

Eine Mitarbeiterin klebt in mühevoller Handarbeit Pflanzen aus Kuba auf weißen Karton.

       
Dann hat uns Herr Dr. Zündorf das Archiv gezeigt, wo etwa 3 Millionen Pflanzen lagern. 
Dieser Ausflug war sehr interessant und beeindruckend. Besonders spannend war es, die ganz alten Herbarien zu sehen und wie viel Arbeit in diesen Büchern steckt.
Wenn Sie das Herbarium auch einmal besuchen möchten, müssen sie sich  in der Universität Abteilung 'Herbarium Haussknecht' anmelden.
       
Das Archiv mit ca. 3 Millionen Exemplaren aus aller Welt

So viele alte Bücher ...

       
Text: Clemens Hagedorn, Michel Engelhardt, Stefan Pössel
Foto: Stefan Pössel, Sylvia Tüngerthal
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